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Achtsamkeitspraxis: Mentale Modifikation (kognitive Umstrukturierung)

 

Nützliche Tipps zur Achtsamkeitspraxis: mentale Modifikation bzw. kognitive Umstrukturierung. Was bedeutet das und vor allem: wie geht das?

Der Talmud ist eines der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums. Er beinhaltet eine alte Weisheit, die dazu anregt auf die Gedanken zu achten, da aus diesen Worte, Handlungen und letztlich Gewohnheiten resultieren, die wiederum Einfluss auf den Charakter eines Menschen ausüben. Gewohnheiten leisten Beiträge zur Ausgestaltung des Schicksals, welches uns widerfährt.

Aus psychologischer Perspektive betrachtet, lassen sich diese Annahmen um einige Überlegungen erweitern, die für menschliche Entwicklungsprozesse wesentliche Wirkungszusammenhänge verdeutlichen.

Zur  Theorie: Hintergrund mentaler Modifikation

Es gilt unsere Bedürfnisse und Werte zu achten. Unser Umgang mit ihnen wirkt sich auf unser emotionales (Wohl-)Befinden aus. Es gilt auf unser emotionales Befinden zu achten. Es beeinflusst unsere gedankliche Aktivität. Unsere gedankliche Aktivität beeinflusst jedoch auch gleichermaßen unser emotionales Befinden. Es handelt sich quasi um eine Feedbackschleife. Sowohl unsere Gedanken als auch unsere Emotionen übertragen sich auf die Worte, die wir verbalisieren. Unser sprachlicher Ausdruck repräsentiert unsere Annahmen und Überzeugungen. Es gilt auf unsere Einstellung zu achten. Durch sie manifestieren sich handlungsleitende Glaubenssätze, deren Kraft nicht zu unterschätzen ist. Sie sind sehr mächtig, denn nach deren Entsprechungen verhalten wir uns. Es gilt auf unser Verhalten acht zu geben. Einzelne Handlungen etablieren sich zu Gewohnheiten. Der Mensch ist bekanntermaßen ein Gewohnheitstier. Das bedeutet, dass wir sehr stabile Verhaltensweisen zeigen. Eine Veränderung derselben erleben wir oft als sehr schwierig. Daher gilt es gute Gewohnheiten zu kultivieren. Regelmäßige Rituale können uns dabei unterstützen, in dem wir uns die Macht der Gewohnheiten zu Nutze machen. Die regelmäßigen Anteile in unserem Leben prägen unseren Charakter. Es gilt auf unseren Charakter zu achten. Wir erzeugen über all unser Tun und Sein Resonanz. Aus unseren Aktionen und den darauf folgenden Reaktionen ergibt sich unser Schicksal. Lasst uns darauf achten, dass es ein gutes wird. Das, was wir für uns tun, tun wir für die Welt. Das, was wir für die Welt tun, tun wir für uns. Alles steht miteinander in Verbindung. Je besser wir das erkennen, desto zufrienstellendere Erfahrungen können wir machen.

Die Achtsamkeitspraxis

Zur gewinnbringenden Integration dieser Erkenntnisse in unser Leben, ist es hilfreich, wenn wir uns mehrfach täglich kurze Reflexionspausen gönnen, um unsere Gedanken und deren Auswirkungen zu überprüfen. Wenn wir so mit ihnen umgehen, be-achten wir sie, was wir oft im Alltagsstress nicht tun. Stattdessen verdrängen wir, wogegen sich Widerstand formieren kann. Was wir nicht be-achten, erkennen wir nicht und können es auch so nur schwer verändern. Nützlich kann sein, Gedanken auszuformulieren und niederzuschreiben. So kann es uns gelingen auch  den eher unbewussteren und automatisierteren auf die Spur zu kommen. Hinzu kommt, dass wir sie auf diese Weise im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Kopf heraus bekommen können. Wir identifizieren so unsere gedanklichen Annahmen. Wenn wir sie mittels dieses Vorgehens festgestellt haben, können wir lernen sie zu steuern und konstruktive Gedanken fassen. Somit können wir die Kontrolle zurückgewinnen, um uns nicht von ihnen kontrollieren zu lassen. Wir erlangen Freiheit, wenn wir die Ketten der Marionette ablegen. So können wir Schritt für Schritt den Weg von der Ab- in die Unabhängigkeit beschreiten. Wir sollten vor allem nicht all unseren Gedanken Glauben schenken! Denn unsere Gedanken entsprechen nicht zwingend Tatsachen, sondern viel häufiger Phantasien. Beenden wir das Sklaventum, welches wir uns selber auferlegen. Wenn unsere Gedanken bzw. die schriftlichen Ausformulierungen negativ ausfallen (was vermutlich oft der Fall sein wird), stelle dir die Frage, was in diesem Fall das Gute am Schlechten ist. Klingt paradox, ist es aber keineswegs. Trotz, dass es zunächst kontraintuitiv oder widersinnig scheint, wird es sich lohnen der Frage nachzugehen. Wir können mittels Perspektivenwechsel grundsätzlich Sachverhalte von zwei Seiten betrachten. Frage dich, welche Betrachtungsweise dir weiterhilft und entscheide dich bewusst für diese. Sie ist nicht mehr oder weniger wahr als die andere, denn es handelt sich um zwei Seiten derselben Medaille. Dennoch besteht ein bedeutender Unterschied, dahingehend wie es dir mit ihnen geht und inwiefern du bestärkt wirst oder geschwächt. Am meisten lernen wir aus unerfreulichen oder schwierigen Situationen, was sich uns erst nachträglich erschließt und in einem größeren Zusammenhang gedeutet verständlich wird. Verpassen wir unsere Lektionen, wiederholen wir diese so oft, bis wir sie gelernt haben. Für viele Menschen bedeutet das ein Festsitzen in destruktiven Verhaltensweisen, die sie in einem Teufelskreis gefangen halten: täglich grüßt das Murmeltier. Die beständige Wiederholung alter Verhaltensweisen wird nicht zu neuen Erfahrungen führen.