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Appetit auf Ayurveda? Agni achtsam anfeuern…

Im Kontext unserer leistungsorientierten Gesellschaftsstrukturen kultivieren wir Standards, die Effektivitätsprinzipien entsprechen. Besonders in Arbeitsprozessen werden wir mit einer Erwartungshaltung konfrontiert, die von Effizienzansprüchen und Optimierungswahn geprägt ist. Im Rahmen unserer Sozialisation etablieren wir Glaubenssätze, wie: nur die Harten kommen in den Garten, von nichts kommt nichts, ohne Fleiß keinen Preis und gut ist nicht gut genug. Kein Wunder, dass uns bei diesem Höhenflugskommando ganz schwindelig wird und wir ins Stolpern geraten. Den Blick stets fokussiert, nach vorn gerichtet und das Motto höher, schneller, weiter im geistigen Gepäck, heben wir ab und büßen unsere Stabilität ein, indem wir den Boden unter den Fußen verlieren, der uns erdet und nährt. Von Ayurveda-Prinzipien können wir einiges lernen. Im Folgenden ein paar Appetitanreger, die dir aufzeigen können, wie du dein Agni achtsam anfeuerst.

 

Auf den Fußspuren des Fast Food                   

 

In unserem geistigen Aktionismus analysieren und konstruieren wir permanent Ist-Soll-Diskrepanzen. Wir beurteilen beständig unsere Befindlichkeit, die wir als gut oder schlecht bewerten, woraus Handlungsimpulse resultieren. Wir gieren nach der Ausweitung angenehmer Zustände oder Mühen uns nach Kräften ab, unangenehme zu vermindern. Dieser Lückenfüllermentalität passen wir auf funktionale Weise unsere (Fr)Esskultur an. Möglichst auf schnellem Wege Sattheit erzielen, wozu uns Fast-Food- Konzerne und Konzepte einladen. Zu einer gesunden Nahrungsaufnahme gehört jedoch weit mehr als die unmittelbare Befriedigung von Hungergefühl.

 

Die folgende Darstellung aus dem Ayurveda abgeleiteter Anregungen, kannst du zur Reflexion nutzen, um nachzuvollziehen wie es mit deinem Beitrag steht, einen bekömmlichen Gaumenschmaus zu befördern.

 

Gönne dir Genuß

 

Um die Nahrungsaufnahme zu einem schmackhaften Erlebnis werden zu lassen, kannst du sie zelebrieren.  Es handelt sich dabei um ein elementares Bedürfnis des Menschen, was dich nicht davon abhalten sollte, es zum Anlass zu nehmen, dir regelmäßig ein Festmahl zu bereiten. Stattdessen lassen wir uns oft dazu verleiten, den Akt eher zu einer Inhalation von Convinience-Produkten aus der Chemo-Retorte verkommen zu lassen. Unser Organismus ist außerordentlich anpassungs- und umstellungsfähig, was ihm ermöglicht deine Geschmacksnerven neu einzutunen. Für alle Junk-Food Fanatiker eine erfreuliche Botschaft. Das Opfer der Entbehrung wird so belohnt durch neues Geschmackserleben. Die Sensoren deines Gaumens werden für kulinarische Köstlichkeiten sensibilisiert. Als guter Gastgeber empfängst du den Hunger als einen treuen Freund, der so freundlich ist dir mitzuteilen, wenn Zeit für Nahrungsaufnahme ist. Folge seiner Einladung, wenn er sich ankündigt.

 

 

Mit Biss

 

Verdauen beginnt mit dem Kauen. Deine Zähne sind nicht nur schmückendes Beiwerk. Es sind Werkzeuge, die gebraucht werden möchten. Es verhält sich ein wenig wie beim Liebesspiel: wer ordentliche Vorarbeit leistet, verringert den Aufwand folgender Aufwandserfordernisse erheblich. Andernfalls könnten sich Darm und Magen gelegentlich über belastende Mehrarbeit beklagen.

 

Wähle die Schnecke als Wappentier

 

denn die weiß – in der Ruhe liegt die Kraft. Entschleunige! Essen ist keine Sprint-Competition, bei der der Schnellste gewinnt. Der Schlemmfaktor fällt um so üppiger aus je aufmerksamer du dich dem Schmackofatz widmest.  Achtsamkeit fördert Genussempfinden. Die zusätzlich gewonnene und nicht verlorene Zeit erlaubt dir dich zu entspannen. Schenke den Reaktionen deines Körpers Beachtung und lerne seine Sprache zu verstehen. So wirst du lernen garstiges Knurren von zufriedenem Gemurmel zu differenzieren. Wenn du begreifst über welche Signale dein Körper mit dir kommuniziert, kannst du angemessen reagieren. Ignorierst du seine Bemühungen sich dir mitzuteilen, wird er sich lautstärker äußern.

 

Ein gesundes Maß

 

Dein Organismus ist keine Herstellungsstätte für Stopfleber. Übermäßige Zufuhr von Nahrung führt zu Stau in deiner Pipeline, was die Produktion von Presswürsten anregt. Du weißt was mit Essen in warmer Umgebung passiert. Keine Ausnahme bildet da der Darm: Gefährdung durch Faultieralarm. Wenn du kurz innehälst und nachspürst, wirst du feststellen, wann genug ist. Bewahre dich davor, dich zu über(fr)essen.

 

Ma(h)l anders

 

Nicht nur im Yoga ist der Hund uns ein weises Vorbild. Er lebt voll im Moment und kann dich lehren: beim Essen nicht stressen. Ergo während-essen: keine Telefonate, keine Television, keine technischen Spielereien. Nur wenn du dich fokussierst und dich nicht gleichzeitig multipel betätigst, können alle deine Sinne gemeinschaftlich ein neuronales Feuerwerk entfachen, welches dich Genuss in ungeteilter Aufmerksamkeit erfahren lässt.

 

 

Mediterranes Menü

 

Erlaube dir und deinem Körper nach getaner Arbeit zu ruhen. Belohne dich mit einer Auszeit, um die aufgenommene Nahrung zu verdauen. Verfällst du stattdessen in Aktionismus und Betriebsamkeit, kann sich das kontraproduktiv auswirken und die Verwertung beeinträchtigen. Eine Regenerationszeit von einigen Minuten kann gute Dienste leisten, wogegen konträre Empfehlungen besagen, dass sanfte Bewegung helfen kann, die Verdauung zu unterstützen. Probieren geht über studieren. Finde heraus, was dir gut tut.

 

Mut zum Mutismus

 

Gönne dir eine Sendepause. Funkstille während deines Mampfmanövers verhilft dir dazu, nicht in  Geschwätzigkeit zu verfallen, die zu geistiger Zerstreuung deiner Aufmerksamkeit führt: nicht vergessen zu essen. Dir bleibt im wahrsten Sinne des Wortes sonst eher ein Bissen im Hals stecken.

 

Emotionale Ballaststoffe

 

können ihren Namensvettern funktional keine Konkurrenz machen. Wut tut beim Essen nicht gut, auch wenn sie eine feurige Note beizutragen verspricht. Esse nicht, wenn du emotional intensiv aufgeladen bist. Auch hier können wir Wortweisheiten deuten, die uns daran erinnern, dass Gefühlsregungen uns auf den Magen schlagen können,  Klöße im Hals entstehen lassen, die weniger appetitanregend wirken oder den Darm zur Rodelrampe umfunktionieren. Streiche von deinem Speiseplan traurige Tomaten, zornige Zitronen und ähnliche freche Früchtchen.

 

Nimm Platz für einen guten Stuhlgang

 

Kein schlemmendes Umherschlawinern. Kein rennendes Runtergewürge. Sitzen ist famos: auf die Plätze, fertig, los.

 

 

Ebbe und Flut oder was tut gut?

 

Nach ayurvedischer Tradition empfiehlt es sich, im Gegensatz zu unseren verbreiteten Essgewohnheiten, keine Flüssigkeiten aufzunehmen: sowohl unmittelbar vor als auch nach, sowie während der Mahlzeiten nicht. Der Magen wird durch Getränke zusätzlich gefüllt und unser Verdauungsfeuer Agni wird geschwächt. Es ist vergleichbar mit dem Sachverhalt, als ob du gerade entfachtes Feuerholz mit einer Ladung Wasser übergießt. Darüber hinaus wirken sich stark gekühlte Getränke oder Speisen ebenfalls nachteilig auf Agni aus.

 

In diesem Sinne angenehmen Appetit. Namaste.

 

 

Disclaimer / Haftungsausschluss: Die hier beschriebenen Ratschläge basieren lediglich auf meiner persönlichen Erfahrung. Es handelt sich nicht um heilkundliche oder medizinische Auskünfte. Eine ärztliche Einschätzung wird dadurch in keinem Fall ersetzt. Bei gesundheitlichen Beschwerden, ist ein Arzt zu konsultieren.