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Sprachgebrauch der weisen Worte vs. das, was MAN so denkt…

Wähle deine Worte weise – auf langsamer Reise leise: wohl überlegter Sprachgebrauch.

Es lohnt sich auf unseren Sprachgebrauch zu achten, darauf welche Worte bzw. Formulierungen wir verwenden. Sehr häufig sprechen wir von diesem MAN – wer oder was verbirgt sich eigentlich dahinter? Durch die Verwendung dieser Begrifflichkeit schaffen wir eine Distanz zu unserer eigenen Person und depersonalisieren die entsprechende Aussage. Unterbewusst beabsichtigen wir durch dieses Vorgehen eine Aussage als  vermeintlich allgemeingültig darzustellen und somit unsere darin enthaltene Haltung zu repräsentieren. Wir lassen so den Eindruck entstehen, dass es sich um ein gängiges und legitimiertes Weltgesetz handelt, welches wir indirekt bekräftigen, da es im Kern unsere eigene Haltung beinhaltet (was uns oft jedoch nicht zwingend bewusst ist). Auf andere Menschen kann diese Ausdrucksweise sehr übergriffig und provokant wirken, da diese in einigen Fällen sicher andere Überzeugungen vertreten, die damit indirekt als falsch bewertet werden. Zudem erwecken wir so den Anschein bzw. nähren unsere mögliche Überzeugung, dass wir diesen Grundgesetzen unterworfen sind und ein Opfer von fundamentalen Gegebenheiten, denen gegenüber wir keinen andersartigen Verhaltensspielraum zu haben glauben, denn: so tu MAN das und das macht MAN (so) nicht.

MAN, MAN, MAN – was der so alles kann…

Auf jeden Einzelnen trifft jedoch das, was MAN angeblich so (nicht) macht,  nur sehr eingeschränkt oder auch überhaupt nicht zu. Ähnlich verhält es sich mit einer Orientierung an einer Norm, die wir von einem Durchschnitt ableiten. Stellen wir uns eine außerirdische Bevölkerung mit gleicher Anzahl von Frauen und Männern vor, in der Frauen 1,60 Meter und Männer 1,80 Meter groß wären. Die durchschnittliche Größe wäre 1,70 Meter, wobei tatsächlich niemand dieser Population 1,70 Meter groß wäre. Leiten wir dennoch irrtümlicherweise die gedankliche Schlussfolgerung ab, dass der durchschnittliche Bürger 1,70 Meter groß ist und dieses Maß daher die Norm definiert, bewegen wir uns jenseits der Realität.

Gewichtheben: der Lasten Lui – wer trägt die Verantwortung?

Hinsichtlich mancher Sachverhalte missachten wir, dass Aussagen die wir mit MAN verkostümieren sehr viel (mehr) mit uns persönlich zu tun haben, als wir es uns und anderen eingestehen (wollen). Das, was Peter über Paul sagt, sagt oft mehr über Peter als über Paul. Die Erklärung dafür ergibt sich aus unserer menschlichen Neigung zu Projektionen und Übertragungen. Wir tendieren dazu uns und andere davon zu überzeugen, dass etwas generell so und so sei. Aus welchem Grund verhalten wir uns so? Entweder weil wir uns so entlastet fühlen, da wir das tun, was alle tun und uns somit für richtig halten, denn das was viele tun, halten wir oft für das Richtige. Oder wir bilden uns ein, dass uns die normative Vorgabe von der Übernahme von Eigenverantwortung entbindet außerhalb des durchschnittlichen Vorgehens aktiv tätig  zu werden.

Kniefall ins All

Ohne eigenverantwortliches Handeln instrumentalisieren wir uns allerdings zum passiven Spielball, geben die Macht Einfluss zu nehmen ab und fühlen uns dem zu Folge oft auch ohn-mächtig. Wir erleben uns dann als Opfer von Rahmenbedingungen und Umständen, welche uns fremdbestimmen. Wir müssen die Verantwortungsübernahme in unserer Lebensgeschichte allmählich erlernen. Zu Beginn unseres Lebens tragen tatsächlich zunächst andere Personen, wie bspw. unsere Eltern, die Verantwortung für uns und treffen demnach auch Entscheidungen, die uns betreffen.

Über Lernen und Bequemlichkeit

Bereits in der frühen Entwicklung eröffnen sich zunehmend Möglichkeiten uns für mündig zu erklären und eigene Entscheidungen zu treffen und zu verantworten. Den Höhepunkt dieser Entwicklung, der uns klar verdeutlicht, dass wir sehr wohl in der Lage sind konträre und unkonventionelle Positionen einzunehmen, bildet die Pubertät, in der wir uns gegen vermeintliche Normen auflehnen und bestrebt sind eigene Werte zu leben. Daneben bestehen jedoch auch Tendenzen unseren Handlungsfreiraum nicht anzuerkennen und somit die Entscheidungsgewalt für weitere Prozesse unseres Lebens weiter auf andere Personen oder Institutionen zu übertragen. Es kann ziemlich angenehm und bequem erscheinen sich darauf auszuruhen, was es für einige Menschen attraktiv macht. Die mögliche positive Funktion dieses Verhaltens besteht darin, dass wir davon profitieren können, wenn andere weiter die Obacht haben und Sorge für uns tragen – hinsichtlich unserer finanziellen Absicherung oder persönlichen Bedürfnisbefriedigung. Wenn wir dahingehend unerfreuliche Erfahrungen machen, interpretieren wir dann auch gerne Verantwortung dafür in die Hände derer, denen wir sie übergeben haben – teilweise sogar ohne dass sie dem zustimmen. Unsere Hände bleiben so zumindest sauber – jedoch nicht unsere Weste. Es entstehen Fragen nach Schuld und Verärgerung breitet sich aus.

Horst im verzückten Glück 

Wir werden unser Glück in den Händen anderer vergeblich suchen, das es ausschließlich über unsere eigenen zu erfahren ist.  Wenn wir diesen Zusammenhang wirklich begreifen und die Erkenntnis verinnerlichen, ermöglichen wir uns Selbstwirksamkeitserfahrungen, die ein glückliches Leben befördern. Wir halten die Fäden selber in der Hand und können entscheiden, ob wir Marionette spielen möchten oder uns die Freiheit schenken. Freiheit geht jedoch mit Verantwortung einher.

Plan B

Die Alternative besteht aus Schuldzuweisungen, Zorn und Ohnmachtsempfinden, was wir erleben wenn wir uns zum Opfer eines unkontrollierbaren Systems degradieren, auf welches wir keinen Einfluss zu haben glauben. Schlussendlich  gilt es sich zu entscheiden: entweder mit verschlossenen Augen durchs Leben zu gehen oder sie weit zu öffnen und die eigenen Möglichkeiten zu entdecken.

Verstecken oder entdecken spielen

Oft kleiden wir uns auch mit dem Deckmantel des Müssens und verwenden entsprechend diesen Begriff (und diesen Gedanken). Zu Ende gedacht gibt es allerdings eher wenig, was wir tatsächlich müssen. Also verabschiede dich von dieser Illusion. Lege die Fesseln selbstauferlegter vermeintlicher Verpflichtungen und Beschränkungen ab. Eine Empfehlung lautet jede dieser dir auffallenden derartigen Formulierungen (ich muss…) durch folgende Aussage zu ersetzen: „ich entscheide mich frei dafür, dieses, jenes oder solches zu tun:…-  und zwar aus folgendem Grund:…Der Beweggrund für das eigene Denken oder Verhalten sollte positiv ausgedrückt werden. Positiv bedeutet in dem Kontext, dass er verdeutlicht, welche Funktion das zu müssende Verhalten erfüllt, d.h. welcher Nutzen, Mehrwert bzw. Vorteil für mich dadurch entsteht oder gewährleistet ist. So unglaublich es manchmal auch erscheinen mag: wir tun wir nahezu kaum etwas, das nicht in irgendeiner Form von Nutzen für uns ist. Carpe Diem. Namaste.