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Unsere Zeit ist Jetzt – Gegenwärtigkeit erfahren (2/4)

Unsere Zeit ist JETZT –  um Gegenwärtigkeit zu erfahren

Das Sein auf Ebenen unterhalb des Verstandes, wie bspw. Tiere es erleben, auf denen Denken und Selbstkonzepte sich nicht etabliert haben, findet voll und ganz im Jetzt statt. Wir halten ein solches Sein für unmöglich (lebenswert), da es nicht denkbar ist! Tiere erfahren ihr Sein aber genau auf dieser gedankenlosen Ebene, verfügen über kein Selbstbild und sind daher auch nicht mit den daraus resultierenden Problemen belastet. Auch Pflanzen stellen ihre Existenz nicht in Frage, bedauern nicht den gestrigen Tag oder sorgen sich um den morgigen. Sie sind ganz einfach und haben daher nicht mit den Konflikten zu kämpfen, mit denen wir uns durch gedankliche Konstruktionen konfrontieren. Sie geben sich voll und ganz dem Augenblick hin – ohne Widerstand. Der Baum übergibt sich dem Sturm und schwingt mit ihm mit. Ginge er stattdessen in den Widerstand, würde er vermutlich daran zerbrechen – wie auch wir dies im Widerstand gegen das was ist, tun.

Da-Sein

Bei der Beobachtung von Tieren erahnen wir, dass sie ein unbeschwerteres Da-Sein führen. Das häufige Wedeln des Hundeschwanzes vermittelt uns ein Gefühl seiner präsenten Existenz im Moment – ohne gedankliche Vorstellungen und Bewertungen. Vielleicht fühlen sich deshalb viele Menschen in der Gegenwart von Tieren oder in der Natur so wohl und unbelastet. Sie spiegeln uns eine andere Art der Seinsqualität, die wir verlernt haben, seit wir am Denken erkrankt sind. Vorstellungen und Bewertungen erzeugen Widerstände gegen das was ist und nicht so sein soll. Wir erleben Impulse an dem festzuhalten, was uns lieb ist und das abzuwehren, was unliebsam ist. Aufgrund des Grundprinzips alles Lebendigen – der Veränderung – führt sowohl das Anhaften als auch das Ablehnen zu Leid. Die zeitlose Dimension des Seins ist frei von Leid.

Natürliches Modelllernen

Als Vorbilder können Tiere und Pflanzen uns inspirieren, die Qualität unseres Seins in einer anderen Dimension zu erfahren, die allerdings eben nicht mit dem Verstand zu erfassen ist. Greifen wir mit gewohnter Manier und Gier nach ihr, ist sie bereits verloren. Indem wir unsere Gedanken los und uns sein lassen, erfahren wir Gegenwärtigkeit. Im Gewahrsein der Gegenwärtigkeit liegt der Schlüssel für die Pforten zu den tieferen Ebenen unseres Seins und unserer Wesenhaftigkeit, die zeitlos ist. Entledigen wir uns der Form, eröffnet sich der Zugang zu ihr. Wir ertragen vieles, doch die gedankenlose Leichtigkeit des Seins, scheint uns unerträglich. Das scheint uns zu einfach, um wahr zu sein.

Weniger ist mehr:

denn alles was zu tun ist – ist nichts zu tun, was wir leider nahezu verlernt und wodurch wir uns von unserer tieferen Natur entfremdet haben. Es gibt nichts zu erreichen – alles ist da und geht nicht verloren – was sich ändert, ist die Form. Wir lassen unsere Gedanken von uns Besitz ergreifen und übergeben uns in ihre Knechtschaft. Wir glauben ihren Lügen, halten die Geschichten, die sie erzählen für die universelle Realität, erschaffen somit tatsächlich unsere persönliche Realität, die uns von ersterer trennt. Wir treiben lediglich an der Oberfläche des Seins, ohne seine Tiefen zu erfahren. Unseren Gedanken sollten wir weniger Glauben und Zeit schenken, um so unsere Seinsqualität anzureichern. Das Denken kann ein hilfreicher Untergebener sein, ist jedoch kein guter Gebieter. Vor allem gibt es keine tiefgründigen Gedanken, obwohl wir sie gerne dafür halten. Gedanken sind eine oberflächliche Form der Ausgestaltung des Da-Seins, dessen Tiefe oberhalb bzw. außerhalb der gedanklichen Formen liegt.

Persönlichkeitsstörung

Wir haben durch den Entwurf unseres gedanklichen Selbstkonzeptes eine Dualität erschaffen, die eine Ver-rücktheit zur Folge hat: eine Trennung zwischen dem Seienden in uns und unserem Selbstbild – über die Identifikation des Egos mit demselben. Wir leiden quasi an einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung, führen eine Beziehung mit uns selbst. Es handelt sich um eine Beziehung zwischen dem Seienden und unserer erdachten Persönlichkeit oder sogar mehreren Persönlichkeiten, ähnlich wie bei einer multiplen Persönlichkeitsstörung. Im wahrsten Sinne des Wortes sehr eigenartig – denn wie bereits erwähnt, verhalten sich anderen Arten andersartig!

Fortsetzung folgt…